Anamnese – Ihre medizinische Vorgeschichte

Wenn eine Schwangerschaft trotz Kinderwunsches ausbleibt, ist die Anamnese der erste wichtige Schritt. Im persönlichen Gespräch erfassen wir Ihre medizinische Vorgeschichte und gewinnen wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen. So schaffen wir die Grundlage für eine gezielte Diagnostik und die weiteren Behandlungsschritte.

Was umfasst die Anamnese?

Im Erstgespräch erfassen wir alle medizinisch relevanten Informationen, die Hinweise auf mögliche Ursachen eines unerfüllten Kinderwunsches geben können.

Dazu gehören unter anderem:

  1. Alter der Patientin und ggf. des Partners
  2. Dauer des bisherigen Kinderwunsches
  3. Zykluslänge und Regelmäßigkeit der Menstruation
  4. Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs
  5. Frühere Schwangerschaften oder Fehlgeburten
  6. Vorerkrankungen und frühere Operationen
  7. Medikamente und Allergien
  8. Familiäre Erkrankungen und Risiken, z.B. Thrombosen
  9. Körpergröße, Gewicht und BMI
  10. Lebensstilfaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum

Warum ist die Anamnese so wichtig?

Von einer eingeschränkten Fruchtbarkeit spricht man, wenn nach einem Jahr regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingetreten ist. Bei Patientinnen über 35 Jahren kann diese Abklärung bereits nach sechs Monaten sinnvoll sein, da die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Schwangerschaft mit zunehmendem Alter sinkt.

Der früher gebräuchliche Begriff „Sterilität“ wird heute bewusst vermieden. Eine absolute Unfruchtbarkeit liegt nur in seltenen Fällen vor. Häufig liegt stattdessen eine sogenannte Subfertilität vor. Wie stark sie ausgeprägt ist, hat entscheidenden Einfluss auf die weitere Beratung und Behandlung. Eine sorgfältige Anamnese ist dafür unverzichtbar.

Was lässt sich aus der Anamnese ableiten – und was nicht?

Die Anamnese ermöglicht oft noch keine endgültige Diagnose. Sie ersetzt weder Hormonuntersuchungen, Ultraschall noch weitere spezialisierte Tests. Dennoch bildet sie die Grundlage für alle weiteren Untersuchungen. Besonders zwei Faktoren haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Schwangerschaftsprognose:

  • Alter der Patientin
  • Dauer des Kinderwunsches

Je länger der Kinderwunsch besteht, umso seltener treten spontane Schwangerschaften auf. In diesen Fällen ist es medizinisch sinnvoll, zeitnah über weitere Untersuchungen oder eine Behandlung zu sprechen

  1. Häufige Missverständnisse rund um den Kinderwunsch

    Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Stress eine häufige Ursache für das Ausbleiben einer Schwangerschaft ist. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass Stress bei Frauen mit regelmäßigem Zyklus weder die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft verringert noch die Erfolgsaussichten einer Kinderwunschbehandlung verschlechtert. Wesentlich relevanter sind Faktoren wie Alter, Zyklus, die Dauer des Kinderwunsches oder bestimmte Vorerkrankungen. Genau diese Aspekte berücksichtigen wir im Rahmen der Anamnese.

Wie geht es nach der Anamnese weiter?

Auf Basis der Anamnese legen wir gemeinsam fest, welche Untersuchungen sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge sie erfolgen. So vermeiden wir unnötige Verzögerungen und schaffen die Grundlage für einen zeitnahen Behandlungsbeginn.

Die Anamnese ist weit mehr als ein formaler Fragebogen: Sie bildet die Grundlage für unsere medizinische Einschätzung und hilft uns, die weiteren Untersuchungen und die Behandlung gezielt zu planen.