Erweiterte Diagnostik: DNA-Qualität der Spermien testen

Bei einem unerfüllten Kinderwunsch spielen nicht nur die Anzahl und Beweglichkeit der Spermien eine Rolle, sondern auch die Qualität ihres genetischen Materials. In manchen Situationen kann die DNA der Spermien geschädigt sein, ohne dass dies im klassischen Spermiogramm sichtbar wird.

Der erweiterte Spermientest ist eine spezielle Untersuchung zur Beurteilung der DNA-Qualität von Spermien. Er kann im Rahmen einer weiterführenden Diagnostik zusätzliche Hinweise liefern, wenn bisherige Untersuchungen keine ausreichende Erklärung für das Ausbleiben einer Schwangerschaft gegeben haben.

Was ist der erweiterte Spermientest?

Beim erweiterten Spermientest wird die DNA der Spermien untersucht. Die DNA trägt die genetische Information, die bei der Befruchtung an die Eizelle weitergegeben wird. Damit dieser Prozess zuverlässig ablaufen kann, sollte dieses Erbgut möglichst intakt sein.

Im Rahmen der Analyse werden mehrere tausend Spermien im Labor daraufhin untersucht, ob sogenannte DNA-Strangbrüche (Fragmentierungen) vorliegen. Aus diesen Einzelbefunden wird ein Fragmentierungsgrad berechnet, der Auskunft über die genetische Qualität der Spermien gibt.

Im Unterschied dazu beurteilt ein klassisches Spermiogramm (LINK) ausschließlich äußere Merkmale wie Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien. Aussagen über die DNA-Qualität sind damit nicht möglich.

Wofür / Wann ist der erweiterte Spermientest sinnvoll?

Der erweiterte Spermientest ist keine Routinediagnostik, sondern eine ergänzende Untersuchung in besonderen Situationen. Er sollte vor allem dann in Erwägung gezogen werden, wenn trotz abgeschlossener Basisdiagnostik keine klare Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch gefunden wurde.

Wofür / Wann ist der erweiterte Spermientest sinnvoll?

Der erweiterte Spermientest zeigt, wie stabil und intakt das genetische Material der Spermien zum Zeitpunkt der Untersuchung ist. Ein niedriger Fragmentierungsgrad spricht für eine gute DNA-Qualität, während erhöhte Werte darauf hinweisen können, dass das Erbgut häufiger geschädigt ist.

Man kann davon ausgehen, dass ein Fragmentationsrate >30% eine reduzierte Fertilität mit sich bringen kann. Wichtig ist dabei: Auch bei unauffälligen Spermiogramm-Werten können relevante DNA-Schäden vorliegen.

Der Test erlaubt jedoch keine Aussage über:

  • die Anzahl der Spermien,
  • ihre Beweglichkeit oder
  • ihre äußere Form.


Spermiogramm und erweiterter Spermientest betrachten somit unterschiedliche, sich ergänzende Aspekte der männlichen Fruchtbarkeit und sollten immer im Gesamtkontext beurteilt werden.

Wie läuft der erweiterte Spermientest ab?

Die Durchführung des erweiterten Spermientests ähnelt in Teilen der eines Spermiogramms

  1. Vorbereitung

    Es wird in der Regel eine sexuelle Enthaltsamkeit von mehreren Tagen empfohlen, um eine aussagekräftige Probe zu erhalten.

  2. Abgabe der Probe

    Sie erhalten bei uns ein steriles Probengefäß und nutzen einen geschützten, privaten Raum. Sie haben dort so viel Zeit, wie Sie brauchen, um in Ruhe Ihre Probe abgeben zu können.

  3. Analyse im Labor

    Im Labor werden mehrere tausend Spermien gezielt auf DNA-Strangbrüche untersucht. Der Fragmentierungsgrad wird statistisch ermittelt.

  4. Ärztliche Einordnung

    Das Ergebnis wird nicht isoliert bewertet, sondern gemeinsam mit den bisherigen Befunden eingeordnet. Die erweiterte Spermientestung dient dabei als zusätzliche Entscheidungsgrundlage für mögliche weitere diagnostische oder therapeutische Schritte.

Häufige Fragen zur erweiterten Spermientestung

  1. DNA-Fragmentierung beschreibt Brüche im genetischen Material der Spermien. Diese können die Befruchtungsfähigkeit und die frühe Embryonalentwicklung beeinträchtigen.

  2. Ja. Ein Spermiogramm kann unauffällig sein, obwohl die DNA der Spermien geschädigt ist. Genau hier setzt die erweiterte Spermientestung zur DNA-Qualität an.

  3. Bestimmte Faktoren wie Rauchen, erhöhter Alkoholkonsum, starkes Übergewicht, Umweltgifte oder anhaltender Stress können sich ungünstig auf die DNA-Qualität der Spermien auswirken.

  4. Nein. Ein erhöhter Wert reduziert statistisch die Chancen, schließt eine Schwangerschaft jedoch nicht grundsätzlich aus. Die Bedeutung des Befundes hängt immer vom individuellen Gesamtkontext ab.

  5. Untersuchungen zur DNA-Fragmentierung der Spermien werden in der Regel weder von gesetzlichen noch von privaten Krankenkassen übernommen und sind selbst zu tragen.