Anti-Müller-Hormon (AMH) – Orientierung zur Eierstockreserve

Ein regelmäßiger Zyklus mit normaler Zykluslänge, unauffälliger Follikelreifung und stattfindendem Eisprung ist meist ein Zeichen dafür, dass die hormonelle Regulation insgesamt ausgewogen funktioniert. In dieser Situation reicht häufig eine hormonelle Basisdiagnostik aus und die Bestimmung des AMH- und TSH-Werts.

  • Der TSH-Wert gibt Hinweise auf die Funktion der Schilddrüse, die einen wichtigen Einfluss auf Zyklus und Fruchtbarkeit hat.

  • Der AMH-Wert hilft dabei, die ovarielle Reserve einzuschätzen – also die Anzahl der Eizellen, die den Eierstöcken grundsätzlich noch zur Verfügung stehen. 

Der AMH-Wert ist kein Maß für Fruchtbarkeit im engeren Sinne. Er liefert jedoch wichtige Hinweise für die individuelle Beratung und die Planung weiterer diagnostischer oder therapeutischer Schritte.

Hintergrund: Die Eierstockreserve im Lebensverlauf

Die Anzahl der Eizellen ist bereits sehr früh festgelegt. Schon in der 20. Schwangerschaftswoche eines weiblichen Fötus sind etwa 7 Millionen Primordialfollikel vorhanden. Dieser Pool nimmt kontinuierlich ab:

  • bei der Geburt: ca. 2 Millionen
  • zum Beginn der Pubertät: ca. 400.000

Im Laufe des Lebens erreichen nur etwa 400 Eizellen tatsächlich einen Eisprung. Parallel dazu sinkt auch der AMH-Wert. Dieser altersabhängige Rückgang ist ein natürlicher Prozess.

Was ist das Anti-Müller-Hormon?

Das Anti-Müller-Hormon wird in den Eierstöcken gebildet, genauer gesagt in den sogenannten Granulosazellen heranreifender Follikel. Je mehr dieser Follikel noch vorhanden sind, desto höher ist in der Regel der AMH-Wert.

Da sich der AMH-Spiegel im Verlauf des Zyklus nur minimal verändert, kann er unabhängig vom Zyklustag bestimmt werden. Das macht ihn zu einem stabilen und gut vergleichbaren Laborwert innerhalb der hormonellen Diagnostik.

Was sagt der AMH-Wert aus – und was nicht?

Der AMH-Wert gibt Hinweise auf die Anzahl noch vorhandener Eizellen. Er sinkt altersbedingt, da der Eizellvorrat bereits sehr früh im Leben festgelegt ist und sich kontinuierlich verringert.

Was der AMH-Wert nicht aussagt:

  • Er erlaubt keine Aussage über die Qualität der Eizellen.
  • Er sagt nicht voraus, ob und wann eine Schwangerschaft eintritt.
  • Er lässt keinen sicheren Rückschluss auf den Zeitpunkt der Menopause zu.

Für die Schwangerschaftsprognose spielen weitere Faktoren – insbesondere das Alter der Frau – eine ebenso wichtige Rolle wie der AMH-Wert selbst.

Wie läuft die AMH-Bestimmung ab?

Die Bestimmung des AMH erfolgt über eine einfache Blutentnahme. Da der Wert zyklusunabhängig ist, kann die Blutabnahme zu jedem Zeitpunkt erfolgen.

Das Ergebnis wird im ärztlichen Gespräch erläutert und gemeinsam mit weiteren Befunden – etwa Ultraschall, Zyklusdaten und Anamnese – eingeordnet.

FAQ – Häufige Fragen zum AMH-Wert

  1. Ein guter AMH-Wert ist immer altersabhängig zu betrachten. Es gibt keinen universellen Idealwert, sondern nur Orientierungsbereiche.

  2. Ja. Auch bei niedrigen AMH-Werten sind spontane Schwangerschaften möglich. Der Wert beschreibt die Eizellreserve, nicht die Qualität der einzelnen Eizellen.

  3. Nein. Auch Jahre nach einem sehr niedrigen oder nicht mehr messbaren AMH-Wert können noch regelmäßige Zyklen mit Eisprung auftreten.

  4. Bei Frauen mit PCOS sind häufig besonders viele kleine Follikel vorhanden, was zu höheren AMH-Werten führt.